Die Logistik für die Schlacht in der Normandie

Laut Vauban "ist die Kunst des Krieges die Kunst, das Existenzminimum sicherzustellen". Bei einem bewaffneten Konflikt ist die Fähigkeit, die Streitkräfte zu versorgen, von entscheidender Bedeutung, damit sie auf Dauer militärisch einsatzfähig bleiben. Dieses Unterfangen ist umso schwieriger, als sich die Front ständig verschiebt. Es geht hier um die so genannte Logistik, oder, um Antoine Henri de Jomini, General unter Napoleon, zu zitieren, die praktische Kunst, die Armeen zu bewegen1.
Die Herausforderung besteht nicht nur in der Bevorratung (Rohstoffe, Güter, Waffen usw.), sondern auch im Transport bis zum gewünschten Ort zum gewünschten Zeitpunkt.

Seit dem Angriff auf Pearl Harbor verwandelten sich die Vereinigten Staaten in eine riesige Fabrik, die sich vollständig dem Kriegseinsatz widmete. Die USA wurden zudem zum Hauptversorger der Alliierten mit Material.
Um den Nachschub in Europa sicherzustellen, wurden 3 500 Frachter (in erster Linie Liberty Ships) gebaut.
Großbritannien wurde zu einem riesigen Auffangbecken für Besatzungen, Waffen, Güter und unterschiedlichstes Material und auf die Alliierten wartete eine enorme Herausforderung mit der so genannten Operation Overlord. Dieser gigantische Amphibienangriff sollte im Falle eines Erfolgs den Brückenkopf bilden, dessen Versorgung um jeden Preis aufrechterhalten werden musste.
Damit die Expeditionskorps am D-Day den Ärmelkanal überqueren konnten, wurde eine nie dagewesene Logistikoperation organisiert, die unter dem Namen Neptune in die Geschichte einging. 4 300 Schiffe aller Größen und Nationalitäten wurden mobilisiert. Bei ihrer Ankunft vor den Küsten der Normandie ließen sie 2 600 Landungsboote zu Wasser, mit denen die Sturmtruppen das Ufer erreichen konnten.
Am Abend des 6. Juni 1944 wurden 150 000 Matrosen für die Beförderung von 130 000 Soldaten und 20 000 Fahrzeugen mobilisiert, denen es gelang, eine Bresche in den Atlantikwall zu schlagen.

Die Logistik, die schon bei der Operation Neptune außergewöhnlich war, tritt in eine neue, ebenso entscheidende Phase: Die Versorgung des noch schwachen Brückenkopfs, um den deutschen Gegenangriffen stand zu halten.
Am Abend des D-Days hatten die Alliierten in der Normandie keinen einzigen Hafen zur Verfügung. Der Geniestreich der Alliierten bestand darin, künstliche Nachschubhäfen zu konzipieren, deren verschiedene Einzelteile in England vorgefertigt und dann über den Ärmelkanal geschleppt und vor den Küsten der Normandie zusammengesetzt wurden. Diese Operation wurde unter dem Namen "MULBERRY" bekannt.
Im Vorfeld des D-Days bauten 40 000 Menschen die verschiedenen Einzelteile dieser Häfen.
Ab dem 7. Juni waren die Royal Engineers an Ort und Stelle, um die gigantischen mechanischen Teile vor Arromanches zusammenzubauen. 15 Tage später war der Hafen einsatzbereit und wurde zu einem entscheidenden Glied der Logistikkette für die Westfront.
Ohne die Kunst der logistischen Planung wäre die Landung in der Normandie mit großer Sicherheit fehlgeschlagen.

1) Die Logistik oder die praktische Kunst, die Armeen zu bewegen, Kapitel aus Précis de l'art de la guerre (Abriss der Kriegskunst) (1838), Antoine Henri de Jomini, General unter Napoleon.